Document (#33673)

Author
Lütgert, S.
Title
¬Der Googlehupf als Quantensprung : Content heißt jetzt Context - Warum man mit Websites noch nie Geld verdienen konnte. Linksverkehr
Source
Süddeutsche Zeitung. Nr.xxx vom 13.12.2001, S.19.
Year
2001
Content
"Selbst die wenigen Shareholder, die mit ihren Websites tatsächlich Geld machen, bestätigen heute, dass sich mit Websites eigentlich kein Geld verdienen lässt. Warum das aber so ist, bleibt einem Großteil der Betroffenen auch weiterhin ein Rätsel. Niemand habe an den User gedacht, sagen die einen, der User habe gefehlt. Nein, die Bandbreite sei zu knapp gewesen, erwidern die anderen, und jetzt, wo sie vorhanden sei, könne sie niemand bezahlen. Der sogenannte Content aber, da sind sich alle einig, der Content war da. Dieser Content hat millionenteuer auf den Webservern gelegen und terabyteweise' (das belegen alle Studien) auf seine User gewartet. Am Content hat es nicht gelegen, der Content hat gestimmt. Tatsächlich lässt sich das eCommerce-Wissen von 1997 bis 1999 auf die Formel bringen: "Content ist King" - eine Phrase, die zu dieser Zeit auf keinem der einschlägigen Kongresse fehlen durfte und die wie ein Mantra durch die Managementseminare geisterte: Was allerdings Content genau sein sollte - außer eben King - blieb nebulös. Offensichtlich war damit so etwas wie Inhalt gemeint, doch ist die Aura des Content-Begriffs mit der gleichermaßen abstrakten wie banalen Übersetzung in "Inhalt" kaum zu erklären. Jede Tütensuppenfirma verkauft letztlich nichts anderes als "Inhalt", ohne sich gleich als Content-Provider darzustellen. - Über den Gipfeln von AltaVista -
Es musste also noch etwas anderes in dieser Anrufung des Content mitschwingen, eine verborgene und doch umso entschiedenere Abgrenzung vom digitalen Nicht-Content, der bloßen "Form", den inhaltsleeren Hüllen und körperlosen Oberflächen des Internet, deren Scheitern und Ende hier verkündet werden sollte. Der bis' dahin als hohl, flach und uneigentlich geltende Cyberspace, sollte mit einer neuen Substanz gefüllt werden, und zwar nicht mit einer bestimmten, sondern mit Substanz schlechthin. Diese Metaphysik des Content fand ihre perfekte Repräsentation in den Berggipfeln von AltaVista - dem Logo jener Suchmaschine, die 1997-99 beinahe jede und jeder von uns benutzt haben dürfte. Zu sehen waren Berge von Content: zwei am linken oberen Bildrand aufragende, schneebedeckte Gipfel, die über einem im Vordergrund gelegenen Hochplateau thronten, das nach rechts sanft abfiel, in einen blau-weiß gepixelten Nebel überging und sich schließlich in den nur unwesentlich helleren Horizont auflöste. Von rechts nach links wurde, gezeigt: das digitale Rauschen, seine Transformation in' Bedeutung, deren Erhebung zu Inhalt und schließlich der Triumph jenes Prinzips, das über diesen Content stets den Überblick behält: AltaVista (der Blick vom Gipfel, auf spanisch). Dieses Bild unterschied sich nicht nur, radikal von den meist bis zur Unkenntlichkeit abstrahierten Emblemen der Konkurrenz, sondern zeigte zugleich das Internet als Ganzes: in jenem Moment, als Content King war und über ein Königreich herrschte, das keine Grenzen kannte. Natürlich hatten auch die Betreiber von AltaVista darauf gewettet, dass sich mit Websites Geld verdienen ließe. Ihre Idee bestand darin, mehr Inhalte auffindbar zu machen als jede Suchmaschine zuvor, und das mit dem Verkauf von Werbebannern zu finanzieren, die auf noch mehr Inhalte verweisen sollten. Dass sich aber mit Websites kein Geld verdienen lässt - und das zeigt sich gerade an AltaVista - liegt weder an fehlenden Usern noch an fehlender Bandbreite (von beiden hatte die Suchmaschine mehr als genug), sondern eben genau am Content, genauer: an dessen sprichwörtlicher Flüchtigkeit. Content nämlich ist nicht bloß personalintensiv (also teuer) in der Herstellung und nur schwer in eine verkäufliche Form zu bringen, sondern hat zudem die Tendenz, sich sowohl permanent wieder in Rauschen aufzulösen wie am rechten Bildrand des AltaVista-Logos), als auch ständig zu solchen Massen von Bedeutung zusammenzuklumpen (linker Bildrand), dass er ins rein Tautologische umkippt. Die beiden letzgenannten Phänomene wurden schließlich zu einem inhaltlichen Problem der Suchmaschine selbst:
Der gesuchte Content ließ sich zwar finden, war aber entweder so unscharf, dass er sich sofort wieder verlor, oder so massenhaft vorhanden, dass jede Auswahl von vornherein sinnlos wurde. Und so war der Tag, an dem wir den Kopf von König Content haben rollen sehen, keiner der zahlreichen schwarzen Montage bis Freitage, an denen im Jahr 2000 der Neue Markt zusammenbrach, sondern schon jener Tag im November 1999, als AltaVista sein Logo abschaffte. In, der offiziellen Erklärung der Presseabteilung hieß es damals: "Das BlauWeiß des Bergmotivs wird als kalt und abweisend wahrgenommen, woraus sich die Notwendigkeit zusätzlicher Farben ergibt, um eine wärmere Markenpersönlichkeit herzustellen. Mit den Bergen verbindet sieh zwar die positive Assoziation von Stärke, doch werden euch die Berge als kalt; entfernt, bedrohlich und unpersönlich empfunden, was AltaVistas Begehren zuwiderläuft, eine offene und persönliche Beziehung zu seinen Kunden herzustellen. Zudem werden die Berge, häufig mit Mineralwasser assoziiert, was in keiner Weise synonym ist mit einer führenden, globalen Internet-Marke." AltaVista hatte sich von einem auf den anderen Tag in alta:vista verwandelt, ein gleichermaßen freundliches wie sinnloses Newsportal auf gelbem Grund, mit dem sich selbstverständlich genauso wenig Geld verdienen ließ.
- Nullen ohne Ende -
Und doch hatten die Marketing-Strategen im Moment ihrer Selbstaufgabe unbewusst das zentrale Dilemma der Content-Regimes benannt: dass Content nämlich noch in seinen wärmsten, direktesten und personalisiertesten Formen als "kalt, entfernt, bedrohlich und unpersönlich empfunden" wird - als eine abstrakte, ungreifbare und wolkige Substanz. In Wirklichkeit verabscheuen die Leute Content sogar, und zwar nicht nur als theoretisches Konzept oder als die überaus geschwätzige Rede, die das eBusiness über sich selbst hält, sondern auch in fast jeder seiner konkreten Ausformungen: sei es als endlos über den Bildschirm scrollende Fließtexte, die sie sowieso nicht lesen, oder als ständig hin und her zu kopierende Musik, die sie ohnehin nicht interessiert. Überall dort, wo sich das herumgesprochen hat, heißt der große Hoffnungsträger heute längst nicht mehr Content, sondern Context. Und so liegt es auf der Hand, dass die Suchmaschine, die AltaVista beerbt hat - nämlich Google -'nicht mehr hauptsächlich Inhalte ausgibt, sondern vor allem Zusammenhänge. Google sortiert die Ergebnisse nicht mehr nach ihrer Treffergenauigkeit, sondern nach der Verlinkungsdichte, was dann zwar keinen Content mehr zum Vorschein bringt, dafür aber wundersamerweise stets genau jene Infopartikel und Fakten, denen die Suche galt. Und sogar das Logo von Google rellektiert diesen Paradigmenwechsel, indem es sich, je nach Trefferzahl, zu einem bunten Goooogle oder Goooooooogle aufbläht, was sowohl eine potentiell endlose Reihe inhaltlicher Nullen darstellt als auch die Serie jener kontextuellen Einkreisungen, aus denen sich das sogenannte Surfen letztlich zusammensetzt."
Theme
Internet
Suchmaschinen
Object
Google
AltaVista

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